Erfurt 4414
 
Erfurt 4414   Dieses Bild, auf dem mein Vater (5. von links) als "frischgebackener" Schlosser zu sehen ist, beschäftigt mich schon lange. Vor allem wegen der Dampflok mit der heute nicht mehr üblichen Lokbezeichnung "4414".

Das Bild entstand im April 1924 in der damaligen Reichseisenbahn-Ausbesserungswerkstätte Jena zum Abschluss der 4-jährigen Schlosserlehre.

 
Zur Lokbezeichnung: Da habe ich lange im "Dunkeln getappt". Mir war zwar klar, dass es sich um eine Bezeichnung aus der Länderbahnzeit handeln muss. Von welcher Gattung die Lok war (es ist ja auf dem Bild die Achsfolge nicht sichtbar!) und wie sie nach ihrer Umbezeichnung in den zwanziger Jahren hieß, konnte ich nicht herausfinden.

Bei der Suche im Internet stieß ich auf die Homepage von Ulrich Walluhn, der im Jahr 2000 innerhalb der "Deutschen Gesellschaft für Eisenbahngeschichte" die "Arbeitsgruppe Lokomotivgeschichte" gegründet hatte. Ich schickte ihm eine email mit der Frage, ob er etwas zu dieser Lok wüsste. Ich war erfreut und überrascht, dass ich noch am gleichen Tag Antwort erhielt! Es handele sich bei der Lok sicher um "Erfurt 4414", eine preußische G7.1. Und ein paar Tage später erhielt ich von Ulrich Walluhn den "Lebenslauf" dieser Maschine, den ich hier in der Originalfassung wiedergebe:

Lok ERFURT 4414 (alte Nummer ERFURT 1397) ist die spätere 55 266. Erbaut von Vulcan Stettin 1904, Fabriknummer 2116.
  Erf 4414           ........ Anlieferung (auf Vertrag AI 235)
                     27.11.04 Probefahrt Erfurt-Arnstadt und zurück
                     29.11.04 Abnahme
          30.11.04 - ........ Bw Meiningen in Ersatz für Erfurt 1051 (G3)
          ........ - 15.10.06 Bw Suhl Vergleichslok zu 4417 mit Brotankessel
          16.10.06 - 22.10.06 WI Meiningen  Ausbesserung
          23.10.06 - 08.12.06 Bw Suhl Vergleichslok zu 4417 mit Brotankessel
          09.12.06 - 18.12.06 WI Meiningen  Ausbesserung
          19.12.06 - 17.01.07 Bw Suhl Vergleichslok zu 4417 mit Brotankessel
                     11.04.07 MI Erfurt
          01.09.07 - 17.09.07 Bw Erfurt Vergleichslok zu 4417 mit Brotankessel
          18.09.07 - 23.09.07 WI Meiningen  Ausbesserung
          24.09.07 - 01.03.08 Bw Erfurt Vergleichslok zu 4417 mit Brotankessel
          02.03.08 - 12.06.08 WI Erfurt äußere Untersuchung
          13.06.08 - ........ Bw Erfurt
                     10.08.08 MI Erfurt
          01.03.09 - ........ Bw Erfurt Vergleichslok zu 4417 mit Brotankessel
          14.08.09 - 18.08.09 Bw Erfurt Vergleichslok zu 4417 mit Brotankessel
          19.08.09 - 02.09.09 WI Erfurt allgemeine Ausbesserung
          03.09.09 - ........ MI Meiningen
                     01.07.14 Bw Meiningen
          ........ - 11.12.18 WA Meiningen  äußere Untersuchung
                     01.08.20 MA Jena
                     01.09.20 MA Eisenach
                     12.09.20 Bw Erfurt
                     27.01.21 MA Erfurt
                     01.07.21 MA Jena
          ........ - 20.10.21 WA Jena  innere Untersuchung
                     21.08.22 Bw Erfurt
                     01.12.22 Bw Zeitz im Betrieb (Verschublok)
                     04.06.23 Bw Saalfeld
                     26.11.23 MA Jena
                     16.04.24 MA Jena (hat Petroleumbeleuchtung)
                        05.24 WA Jena
                     12.10.24 Bw Saalfeld
                     09.06.25 Bw Saalfeld
                     31.10.25 Bw Zeitz
                        03.26 umgezeichnet auf 55 266
          ........ - 07.04.26 Bw Saalfeld
          08.04.26 - ........ Bw Merseburg
                    +10.03.28 Bw Merseburg
                     ........ verkauft an Werschener Braunkohlen-Gesellschaft als Werklok

  Verwendete Abkürzungen: Bw = Bahnbetriebswerk
                          MI = Maschineninspektion, ab 1910 MA = Maschinenamt
                          WI = Werkstätteninspektion, ab 1910 WA = Werkstättenamt
Ulrich Walluhn schreibt weiter:
Wie Sie dem aus Akten über viele Jahre mühsam rekonstruierten Lebenslauf entnehmen, war diese Lok 1924 im Bereich des Maschinenamtes Jena stationiert. Unterhaltungswerk war Werkstättenamt (später EAW) Jena, das in den zwanziger Jahren die Lokunterhaltung aufgab. Schon sehr früh, nämlich im März 1926 in der Rbd Erfurt auf 55 266 umgezeichnet, verließ sie kurz darauf die Direktion in Richtung Rbd Halle. Sie gelangte nach Merseburg, vermutlich für den dortigen Verschub. Was sie nach ihrem Verkauf an die Werschener Braunkohlen-Gesellschaft tat, ist unklar. Werklok oder Heizlok. Es kann als sicher gelten (letzte innere Untersuchung 20.10.1921), dass diese Lok 1924 im EAW Jena noch eine äußere Untersuchung erhalten hat. Nebenbei bemerkt eine hochinteressante Lok, sie diente über Jahre als Vergleichsmaschine zur ERFURT 4417 mit Brotankessel!

Somit ist eindeutig geklärt, dass die Lok im April 1924 zum Abschluss der Lehre meines Vaters in Jena war!

Herrn Walluhn ein herzliches Danke für seine Mühe!