Aus: Ärzte Zeitung (Online-Version) vom 11.06.2003

Borrelien-Infektion mit Wanderröte löste eine Schuppenflechte aus

Schuppige Effloreszenzen in Erythema migrans / Ungewöhnliche Kasuistik

GRAZ (hsr). Zwei Krankheitsbilder in ein und derselben Hautläsion, das ist ungewöhnlich und wird für das Erythema migrans jetzt überhaupt erst zum zweiten Mal beschrieben: In einer nach Zeckenstich ausgelösten Wanderröte haben österreichische Dermatologen Psoriasis-Effloreszenzen als Köbner-Phänomen entdeckt.

Bei der 48jährigen Psoriatikerin, deren Kasuistik Professor Elisabeth Aberer vom Universitätsklinikum Graz vorstellt (Der Hautarzt 12, 2002, 805), trat drei Wochen nach einem Zeckenstich am Oberschenkel ein 20 Zentimeter großes, stetig wachsendes Erythem mit am Rand schuppenden rötlichen Papeln auf. Die Patientin, schubfrei seit mehreren Jahren, hatte jetzt auch wieder psoriasiforme Herde an der Stirn-Haar-Grenze und an beiden Ellenbogen silbrig schuppende Plaques.

Diese Effloreszenzen, so der histologische Befund nach einer Stanzbiopsie, waren typisch für eine Schuppenflechte, das Oberschenkel-Erythem hingegen entsprach den Psoriasis-Kriterien allein im papulo-squamösen Randbereich. Als mögliche Ursachen des schuppigen Erythems kamen auch zum Beispiel eine Tinea corporis oder ein kutaner Lupus erythematodes in Betracht. Erst die aus der Punktion angelegte Borrelienkultur ergab schließlich den Nachweis von Borrelia afzelii, einem der vier Subtypen von Borrelia burdorferi.

Wie Aberer berichtet, ist so ihre Verdachtsdiagnose "Psoriasis als Köbner-Phänomen in einem Erythema migrans" bestätigt worden. Da das Erythem über den schuppigen Randbereich hinauswuchs, hatte die Dermatologin, ohne das Resultat der Kultur abzuwarten, bei der Patientin eine Wanderröte vermutet und Penicillin V für drei Wochen verordnet. Dadurch verschwand das Erythem vollständig, die Psoriasis-Hautveränderungen jedoch blieben. Daraus schließt Aberer, daß die Psoriasis so wie bei anderen infektiösen Erkrankungen auch bei der Borreliose als Köbner-Phänomen auftreten kann.

STICHWORT

Das Köbner-Phänomen

Als Köbner-Phänomen, auch isomorpher, also gleichgestaltiger, Reizeffekt genannt, wird das Phänomen bezeichnet, daß bei Patienten mit bestimmten Dermatosen neue Krankheitsherde an gereizten Hautstellen auftreten. Es kann durch mechanische, chemische, thermische und infektiöse Reize in gesunder Haut ausgelöst werden. Die Pathogenese ist allerdings bis heute nicht völlig geklärt. Als Triggerfaktoren diskutiert werden auch mikrobielle Proteine, die im Blut zirkulieren, oder bakterielle Superantigene. Beobachtet worden ist dieses Phänomen unter anderem bei Patienten mit Psoriasis vulgaris, Lichen ruber planus, bullösem Pemphigoid und mit Syphilis. Bei bis zu 25 Prozent der Psoriatiker kann zum Beispiel eine Verletzung der Epidermis die Schuppenflechte hervorrufen. (hsr)

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